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Musikhandschriften der Bayerischen Staatsbibliothek im B3Kat

Seit Ende Juli 2013 sind 21.249 Katalogisate von Musikhandschriften der Bayerischen Staatsbibliothek (BSB) in leicht gekürzter Form im B3Kat, dem gemeinsamen Verbundkatalog von BVB und KOBV, enthalten, und zwar 8.049 Aufnahmen für einzelne Handschriften und Sammelhandschriften und 13.200 Aufnahmen für in Sammelhandschriften enthaltene Werke. Es handelt sich dabei um diejenigen Musikhandschriften, die mit dem von RISM verwendeten Erfassungssystem Kallisto katalogisiert wurden.

Zum Großteil sind dies vor 1800 entstandene Musikhandschriften aus dem Altbestand der BSB, die in jahrzehntelanger Arbeit von der Münchner RISM-Arbeitsgruppe katalogisiert wurden. Dabei wurden oft große geschlossene Bestände bearbeitet, zum Beispiel die Musikhandschriften der Kurfürstin Maria Anna (Gemahlin Max‘ III. Josephs, 1728-1797), des Königs Otto I. von Griechenland (1815-1867), die Sammlung des Bauernmusikers Peter Huber (1766-1843) aus Sachrang, die Handschriften des Komponisten und Organisten Eduard Rottmanner (1809-1843), die Musikaliensammlung des Chorregenten von St. Anna in München, August Baumgartner (1814-1862), die Handschriften aus dem polnischen Zisterzienserkloster Obra (spätes 18./frühes 19. Jahrhundert) u.v.a.

Zum anderen katalogisieren seit 2010 auch Mitarbeiter der BSB-Musikabteilung mit Kallisto, und zwar die neu erworbenen Musikhandschriften sowie ausgewählte Nachlässe und Sammlungen.

Zum dritten wurden auch die Katalogeinträge mehrerer großer Bestände, die seinerzeit für die gedruckten Bände der „Kataloge Bayerischer Musiksammlungen“ erstellt wurden, bereits in Kallisto eingegeben, darunter an BSB-Beständen die „Collectio musicalis Maximilianea“, eine im Auftrag des bayerischen Kronprinzen Maximilian 1833 erstellte Sammlung italienischer Musikhandschriften, und die Musikhandschriften der St.Michaelskirche München, die seit 2008 in BSB-Besitz sind.

Seit 2010 werden diese Daten im online frei zugänglichen RISM-OPAC (http://opac.rism.info) bereitgestellt, der ebenfalls an der BSB entwickelt wurde.

Zugleich wächst seit mehreren Jahren die Zahl der digitalisierten Musikhandschriften der BSB durch Digitalisierungsprojekte und Benutzerbestellungen sprunghaft an. Derzeit sind bereits mehr als 1600 Musikhandschriften der BSB digitalisiert, neben vielen einzelnen Handschriften ebenfalls ganze Bestandsgruppen wie die Autographen von Gustav Mahler, Max Reger, Ermanno Wolf-Ferrari, Hans Pfitzner, Richard Strauss und Carl Orff. Die Digitalisate werden in den Digitalen Sammlungen und im OPAC der BSB bisher mit eigens erstellten Kurzkatalogisaten präsentiert.

Aus diesem Nebeneinander von Digitalisaten mit rudimentären Katalogisaten im B3Kat und umfassenden Beschreibungen der oft gleichen Handschriften im RISM-OPAC entstand der Wunsch, Katalogdaten und Digitalisate benutzerfreundlich zusammenzuführen.

Die BSB verfolgt seit Jahren intensiv das Ziel, ihre sämtlichen Handschriften im B3Kat nachzuweisen. Daher fiel die Entscheidung leicht, die Kallisto-Daten in den B3KAT zu importieren und damit für die Benutzer im BSB-OPAC verfügbar zu machen.

In der BSB wurde eine Arbeitsgruppe aus Vertretern von RISM (Deutsche Arbeitsgruppe, Arbeitsstelle München), der BSB und des Bibliotheksverbunds Bayern (BVB) gebildet. Die RISM-Zentralredaktion in Frankfurt liefert monatlich die aktuellen RISM-Erfassungsdaten im Format MARC-XML an die Redaktion des RISM-OPAC in der BSB, die sie in ein eigens konzipiertes Format überführt und im RISM-OPAC präsentiert. Die gleichen Daten wurden von der RISM-Zentralredaktion auch für das Einspielungs-Projekt zur Verfügung gestellt.

Die größte Herausforderung stellte dabei die Überführung der Daten aus MARC-XML in das vom BVB verwendete Aleph-MAB-Format dar. Beispielsweise sind Pflichtfelder wie der Hauptsachtitel (MAB 331) im RISM-Erfassungsprogramm Kallisto nicht vorgesehen. Um dieses Feld belegen zu können, wurden die Feldinhalte mehrerer Felder der Ursprungsdaten in einer definierten Reihenfolge zusammengefügt. Nach dem RISM-Regelwerk werden alle in einer Sammelhandschrift („Collection“) enthaltenen Werke - das können auch mehrere Hundert sein - jeweils in einem separaten, der Collection zugeordneten Katalogeintrag beschrieben. Diese Struktur wurde beim Mapping nachgebaut: Die Sammelhandschriften fungieren als „selbständige“ Werke, die enthaltenen Stücke als „unselbständige Werke“. Auch mussten einige kodierte Informationen wie Tonart, Quellentyp, Gattungsbegriff und MARC-Relator-Code mit Hilfe eigens erstellter Konkordanzen in die in MAB geläufige Form transformiert werden. Die in den RISM-Personennormsätzen enthaltenen GND-Identifier (GND=Gemeinsame Normdatei) konnten dazu genutzt werden, die entsprechenden GND-Datensätze mit den Titelsätzen korrekt zu verknüpfen.

Fast sämtliche Kallisto-Felder konnten umgesetzt werden, wobei nicht alles für die Benutzer auch sichtbar sein wird. Die Rückkopplung zur vollständigen Aufnahme wird durch einen Link „Zum RISM-OPAC“ sichergestellt.

Die RISM-Datensätze wurden dann in der konvertierten Form in eine Testdatenbank eingespielt. Dabei konnte die Inhomogenität der zu Grunde liegenden Daten reduziert und das Mapping schrittweise verbessert werden. Ende Juli konnten die Daten nunmehr in die B3Kat-Echtdatenbank überführt werden. Die dort schon enthaltenen Kurzkatalogisate der ca. 500 digitalisierten Handschriften, die bereits in RISM erfasst waren, wurden dadurch angereichert. Nunmehr findet der Benutzer dieser Gruppe von Handschriften in einem einzigen Datensatz Katalogbeschreibung und Digitalisat vor. Dies gilt für zahlreiche ältere Handschriften, aber z.B. auch für den gesamten Nachlass von Hugo Distler.

Daneben gibt es nach wie vor zahlreiche Digitalisate, die lediglich ein Kurzkatalogisat aufweisen, weil sie in RISM noch nicht erfasst sind. Auf der anderen Seite werden nun erstmals viele Tausende von Musikhandschriften im B3Kat nachgewiesen, für die es noch keine Digitalisate gibt. Die Gruppe der BSB-Musikhandschriften im B3Kat, die sowohl ein ausführliches Katalogisat als auch ein Digitalisat aufweisen, wird in den nächsten Jahren voraussichtlich schnell anwachsen, zum einen durch das Fortschreiten der Digitalisierung, zum anderen durch die geplante Eingabe des gesamten, bisher noch konventionell vorliegenden Katalogs der BSB-Musikhandschriften in Kallisto. Bedeutende Zuwächse bringt derzeit bereits das DFG-geförderte Projekt „Digitalisierung der Chorbuch-Handschriften mit mehrstimmiger Musik der Bayerischen Staatsbibliothek“, bei dem zeitgleich zur Digitalisierung dieses wichtigen Bestands der vorliegende gedruckte Katalog in Kallisto eingebracht wird.

Die zukünftig neu erstellten Katalogisate sollen durch jährliche Updates ebenfalls in den B3KAT eingespielt werden. So könnte innerhalb weniger Jahre das Ziel erreicht werden, sämtliche BSB-Musikhandschriften im B3Kat nachzuweisen.

Dr. Uta Schaumberg, Mitarbeiterin der Musikabteilung der BSB

Dieser Text ist erschienen in der Zeitschrift Forum Musikbibliothek, Jahrgang 34 (2013), Heft 3, S.56ff

Kategorie: Bibliotheksbestände



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