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Muscat-Workshop mit Guido Kraus in L'viv (12.-14. Februar 2019)

Der folgende Beitrag stammt von Angelika Moths:

Initiiert von der Haliciana Schola Cantorum (HSC) – einem Schweizer Verein zur Förderung der Kultur in der Westukraine – fand im November 2017 das internationale musikwissenschaftliche Symposium „Ex umbra in solem“ an der Katholischen Universität in L'viv statt. Dabei wurde deutlich, dass es für die ukrainische Musikwissenschaft dringend nötig sei, die Musikalien, die in den ukrainischen Bibliotheken und Archiven aufbewahrt werden, in der RISM-Datenbank zu dokumentieren. Prof. Dr. Christoph Wolff hat dankenswerterweise dafür gesorgt, dass ein direkter Kontakt zwischen der HSC und der RISM-Zentralredaktion in Frankfurt am Main zustande kam. Angelika Moths – Mitorganisatorin des Symposiums und Mitglied der HSC – fuhr daraufhin nach Frankfurt, um mit Klaus Keil über die Möglichkeiten zu sprechen. Herr Keil schlug vor, einen Workshop anzubieten, der alle Interessierten in die Arbeit mit dem Katalogisierungsprogramm Muscat einführt.

In den neunziger Jahren und im Sommer 2013 fanden bereits Workshops des RISM zur Katalogisierung von Musikquellen in Kiew statt. Die Arbeit kam aber nicht zuletzt durch die damalige politische Situation ins Stocken. Da die früheren Katalogisierungsprogramme des RISM nicht mehr verwendet werden, lag es nahe, gleichsam mit „frischem Wind“ noch einmal von vorne zu beginnen. Dies war vor allem durch die tatkräftige Unterstützung von Frau Ol’ha Osadcja (Leiterin der Musikabteilung an der Stefanyka-Bibliothek) und Herrn Vasyl Kmet’ (Direktor der Universitätsbibliothek Iwan Franko) möglich, welche dem Misstrauen und der Furcht vor Fremdbestimmung ihrer Kollegen und Kolleginnen entgegenwirkten.

Es war deshalb ein schöner Erfolg, dass vom 12.–14. Februar 2019 der Muscat-Workshop in Räumen der Stefanyka-Bibliothek (RISM Bibliohtekssigel: UA-LVs) und der Universitätsbibliothek Iwan Franko (UA-LVu) unter Leitung des in Osteuropa erfahrenen RISM-Mitarbeiters Guido Kraus stattfinden konnte. Am Workshop nahmen Bibliothekare der genannten Institutionen, der Nationalen Musik-Akademie und des S. Krushelnytska Museums sowie einige Studenten des HSC-Netzwerkes teil. Im Ganzen waren es fünfzehn Teilnehmende. Gegenstand unseres Workshops war die Katalogisierung von handschriftlichen und gedruckten Musikquellen, die als Einzelwerke oder Sammlungen vorliegen mit jeweils ganz unterschiedlichen Anforderungen. Darüberhinaus wurden die technischen Applikationen von Muscat vorgestellt, die es ermöglichen Links, Fotos und Digitalisate an die Katalogisate im Programm anzuhängen, und die schnelleren Verfahrensweisen bei der Katalogisierung wie das Autocomplete und Duplizieren bereits vorhandener Einträge. Nicht zuletzt wurden die Kommentarfunktion in Muscat und die Möglichkeiten der eigenen Datenverwaltung im System vorgestellt.

Um den Kolleginnen und Kollegen vor Ort die Arbeit mit Muscat zu erleichtern, wird unser Kollege Petro Zherukha ein Mitglied der HSC und Teilnehmer des RISM-Workshops, das Manual zur Muscat-Nutzung vom Englischen ins Ukrainische übersetzen.

Nach Erhalt ihrer persönlichen Logindaten für Muscat können die Kolleginnen und Kollegen mit der Arbeit beginnen, wobei sie jederzeit bei Guido Kraus nachfragen und ihn um Unterstützung bitten können. Um möglichst schnell zu einem Ergebnis zu kommen und um die Pilotprojekt-Funktion zu unterstreichen, haben wir darum gebeten, dass zunächst mit „vereinten Kräften“ an der Katalogisierung der Bestände der Iwan-Franko-Bibliothek gearbeitet wird, da es sich hierbei um einen übersichtlichen und schon bereits gut erschlossenen Bestand handelt (hauptsächlich Drucke und Handschriften aus dem 16. und 17. Jahrhundert). Diese Arbeit soll möglichst innerhalb dieses Jahres durchgeführt und abgeschlossen werden. Der dortige Direktor Vasyl Kmet’ ist an dieser Arbeit sehr interessiert, da er sich dadurch eine internationale Außenwirkung seiner Bibliothek und entsprechende Kooperationsmöglichkeiten verspricht.

Das primäre Ziel der HSC, die sich als Vermittlerin in diesem Prozess sieht, ist zunächst die Katalogisierung der Bibliotheksbestände in L’viv. Da durch die Wiederaufnahme der Arbeit in Galizien aber auch wieder positive Signale aus Kiew gekommen sind, ist nicht auszuschließen, dass ein weiterer Muscat-Workshop für die Kollegen und Kolleginnen dort angeboten wird. Guido Kraus hat bereits Interesse bekundet.

Nach Abschluss des oben erwähnten Pilotprojektes sollen die Ergebnisse in einer Präsentation zusammengefasst werden, die dann weitere Bibliotheken als Grundlage und Ermutigung verwenden können, ihre Musikalien bei RISM zu erfassen und somit international sichtbar zu machen. Wir erhoffen uns davon weitere internationale Kooperationen mit anderen europäischen Bibliotheken, um gemeinsam nach Finanzen suchen zu können und damit die RISM-Arbeit in der Ukraine auszuweiten.

 

Kategorie: Eigendarstellung



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