English | Deutsch | Français

Hester Needler

Mit Buchstabe N starten wir die zweite Hälfte des Alphabets innerhalb unserer Serie RISM A-Z. Das heutige N steht für Hester Needler.

Über Needler ist nicht viel bekannt, aber dern RISM Online-Katalog kennt sie als Komponistin von sechs Anthems und in zehn weiteren Handschriften ist sie als vormalige Besitzerin genannt. Diese zehn Manuskripte stammen von ihrem Ehemann Henry Needler (1685-1760), der ein frühes Mitglied und Leiter des Ensembles der Academy of Ancient Music in London war. Eingie Zeit nach Henrys Tod gab Hester die Handschriften an James Mathias (ein Kollege aus der Academy) und er versah diese mit seinem Exlibris. Mathias vermachte diese Manuskripte dem British Museum (heute British Library) im Jahr 1782.

Hester Needler hat keinen eigenen Eintrag in den Standardnachschlagewerken, obwohl ihr Mann häufig in seiner Wichtigkeit für das Londoner Musikleben erwähnt wird. Erstaunlicherweise nennt Robert Eitner in seinem Biographisch-Bibliographisches Quellen-Lexikon (1902) eine Quelle zu Hester, aber sie ist versteckt im Eintrag zu ihrem Mann. Eine Sammlung von sechs Anthems komponiert von Hester Needler datiert auf das Jahr 1751, wird als erste Quelle in Henrys Eintrag genannt (GB-Lbl Add. 5053; RISM ID no. 806940122). Somit hält auch Hester Einzug in Eitners monumentales Quellen-Lexikon.

Die Handschrift Add. 5053 in der British Library enthält die einzig bekannten autographen Anthems, die laut Monte Edgel Atkinsons Dissertation "The orchestral anthem in England, 1700-1775" (1991) von einer Frau komponiert wurden. Atkinson beschreibt die ersten drei Anthems von Needler als "extended hymn settings", während die letzten drei lediglich mehrere Sätze aufweisen. In Anbetracht der Verbindung von Henry Needlers Verbindung zur Academy of Ancient Music hält Atkinson eine Aufführung der Anthems in einem der Academy Konzerte für möglich. Die Anthems sind mit Gesangsstimme, Chor, Streicher und Orgel besetzt.

Die Manuskripte, die Needler besaß, wurden von ihrem Mann abgeschrieben und enthallten Musik, die auch in den Oxforder Bibliotheken von Christ Church und Bodleian als Handschrift oder Notendruck vorhanden waren. Die in diesen Abschriften enthaltenen Werke entsprechen dem Repertoire der Academy of Ancient Music: Kompositionen von Palestrina, Victoria und anderen Vertretern der polyphonen Vokalmusik des 16. und 17. Jahrhunderts (siehe Add. 5036-5043). Die 10 von Hester überlieferten Bände und die 17 von Henry kopierten Bänden, liegen alle in der British Library und spiegeln die Aktivitäten der Academy der Zeit wider.



Abbildung
: Das Montagu House - das alte British Museum - von Michael Angelo Rooker (1746-1801), 1778. Aus British Museum Collection Online, Museum number 1868,0328.334 (CC BY-NC-SA 4.0).

 

Kategorie: RISM A-Z



Nächster Artikel >
< Vorheriger Artikel

Veranstaltungen: Ausstellung: Grimmaer Musik(leben) um 1700

Wir möchten Sie auf eine kleine Sonderausstellung im Rahmen der diesjährigen Tage Mitteldeutscher Barockmusik in Grimma (bei Leipzig) hinweisen.

weiterlesen

Bibliotheksbestände: Ein Beitrag zur Geschichte der Militärmusik im Königreich Hannover

Eine einzigartige Sammlung von Musikhandschriften in der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek (Niedersächsische Landesbibliothek) Hannover.  Die weit über tausend handschriftlichen Partituren des ersten und zugleich letzten königlich-hannoverschen Armeemusikdirektors Johann Viktor Gerold...

weiterlesen

Neuerscheinungen: Ein Beitrag zur Geschichte der Militärmusik im Königreich Hannover

Eine einzigartige Sammlung von Musikhandschriften in der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek (Niedersächsische Landesbibliothek) Hannover.  Die weit über tausend handschriftlichen Partituren des ersten und zugleich letzten königlich-hannoverschen Armeemusikdirektors Johann Viktor Gerold...

weiterlesen

Bibliotheksbestände: Ein hochinteressanter Bestand

Michael-Haydn-Funde im Bestand der ehemaligen Propstei Spitz a. d. Donau im Archiv des Klosters Niederaltaich

weiterlesen

Bibliotheksbestände: Handschriftliche Tabulaturen und Stimmbücher bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts der Bayerischen Staatsbliothek München

Die handschriftlichen Tablaturen und Stimmbücher der Bayerischen Staatsbibliothek (BSB) bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts sind neben den frühen Notendrucken und den Chorbüchern ein zentrales Segment aus der historischen Musikaliensammlung der bayerischen Herzöge. Die frühesten Handschriften...

weiterlesen