English | Deutsch | Français

Nördlingen (D-NL)

Titelblatt einer Sammlung dreistimmiger Kirchenlied-Begleitsätze des Nördlinger Schullehrers, Stadtkantors und Organisten Friedrich Glauning (1810-1882) aus dem Jahr 1834 (zum Vergrößern auf das Bild klicken)

Stadtarchiv und Stadtbibliothek

Alle historischen Musikdrucke und Handschriften der Nördlinger Stadtbibliothek (und ehemaligen Volksbücherei) befinden sich heute im Stadtarchiv. Die älteste musikbezogene Handschrift stammt aus dem Jahr 1489. Sie enthält neben zwei vierstimmigen lateinischen Odenkompositionen verschiedene Texte des Heidelberger Humanisten und Juristen Adam Werner von Themar, die im Zusammenhang mit seinen Vorlesungen über Metrik stehen und sowohl Dichtungen als auch Lehrtexte beinhalten. Die übrigen Musikhandschriften bilden eine buntes Sammelsurium unterschiedlichster Stücke: Das Spektrum reicht von Kirchenkompositionen Nördlinger Kantoren über Abschriften von Werken berühmter Komponisten wie z.B. Giovanni Pierluigi da Palestrina, Wolfgang Amadé Mozart, Ludwig van Beethoven oder Carl Maria von Weber bis zu Chorsätzen für den örtlichen Gesangverein. Auch einige Werke von in früheren Jahrhunderten hoch geschätzten, heute aber nicht mehr so bekannten Musikern gehören zu der Sammlung.
Außer handschriftlich überlieferten Noten verwahrt das Nördlinger Stadtarchiv eine ganze Reihe älterer Musikdrucke; 26 von ihnen sind verzeichnet in der RISM-Reihe A/I (Einzeldrucke vor 1800). Zwei Musikdrucke des 19 Jahrhunderts sind zwar im RISM nicht erfasst, seien der Vollständigkeit halber hier aber ebenfalls erwähnt: Ein Choralbuch, 1820 in Sulzbach gedruckt, und Christian Heinrich Hohmanns „Praktische Violinschule“ (Nürnberg 1860). Von Interesse sind außerdem die zwar nicht RISM-relevanten, jedoch lokalgeschichtlich bedeutsamen „Stabenlieder“, überliefert z.B. in einem kolorierten lithographischen Druck des Jahres 1883: „Das Stabenfest in Nördlingen ist ein seit dem 16. Jahrhundert gepflegter Brauch der Stadt, welcher alljährlich im Monat Mai begangen wird. Den Höhepunkt des Frühlingsfestes stellt der Stabenumzug am schulfreien Stabenmontag durch die reich geschmückte historische Altstadt dar. Hierbei marschieren die festlich gekleideten Kinder in Begleitung von mehreren Musikkapellen mit Blumenkränzen, Fahnen und bunt verzierten Stäben zur Kaiserwiese, außerhalb der Stadttore“ (zitiert nach http://www.brauchwiki.de).
Eine weitere Quellengruppe bilden die insgesamt 10 Libretti, überwiegend zu Gelegenheitskompositionen der Nördlinger Stadtkantoren Johann Caspar Simon, Jacob Heinrich Hilbrandt und Christoph Friedrich Wilhelm Nopitsch, zu denen sich nur die Texte erhalten haben.

Die Handschriften wurden 2013 von Helmut Lauterwasser katalogisiert. Recherchen zu dem Bestand können Sie hier vornehmen.

Bei Fragen zur Erschließung dieses Bestandes durch RISM wenden Sie sich bitte an Dr. Helmut Lauterwasser, RISM-Arbeitsstelle München (e-mail: Helmut.Lauterwasser@bsb-muenchen.de; Telefon: 089/28638-2884)

Bei allen anderen Fragen (Benutzung, Bestellung von Reproduktionen usw.) wenden Sie sich bitte direkt an das Stadtarchiv Nördlingen, Marktplatz 1, 86720 Nördlingen (e-mail: stadtarchiv@noerdlingen.de; Telefon: 09081/84-610; Fax: 09081/84-615)

Literatur: Armin Brinzing: Neue Quellen zur Geschichte der humanistischen Odenkomposition in Deutschland (Kleinüberlieferung mehrstimmiger Musik vor 1550 in deutschem Sprachgebiet 8), Göttingen 2001, S.10-38

(Helmut Lauterwasser, 24.10.2013)

zurück zur Übersicht

Back to overview

item locations