Répertoire International des Sources Musicales

Arbeitsgruppe Deutschland e.V.

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Johannes Brahms' früheste erhaltene Kompositionen im Stadtarchiv Celle entdeckt

Helmut Lauterwasser

Thursday, June 24, 2010

Im Zuge der Katalogisierung der Musikhandschriften des Stadtarchivs Celle (D-CEsa) durch die RISM Arbeitsgruppe Deutschland, Arbeitsstelle an der Bayerischen Staatsbibliothek in München, im Februar 2010 zwei bisher nicht bekannte Frühwerke von Johannes Brahms entdeckt. Die Abschriften der beiden Männerchöre auf Texte von Emanuel Geibel und Wilhelm Müller befinden sich im Nachlass der sogenannten „Alten Celler Liedertafel.“ Der 19-jährige, damals noch völlig unbekannte Johannes Brahms konzertierte im Mai 1853 gemeinsam mit dem ungarischen Geigenvirtuosen Eduard Reményi in Celle und „verehrte“ dem dortigen Männergesangverein als Dank für die Unterstützung bei dem Konzertaufenthalt die beiden Lieder. Vermutlich hat er das erste, Goldne Brücken seien alle Lieder mir (Text von Geibel), tatsächlich 1853 und eigens für die Celler Liedertafel komponiert. Das zweite aber ist wohl schon einige Jahre früher, zwischen 1847 und 1851 – Brahms war somit erst 14 bis 18 Jahre alt – in Winsen/Luhe entstanden, wo Brahms mehrmonatige Ferienaufenthalte verbrachte, und während der er auch den dortigen Männergesangverein dirigierte. Aus seinem Briefwechsel mit der Tochter seines Gastgebers in Winsen, Elise Giesemann, später verheiratete Denninghoff, geht hervor, dass er von ihr Manuskripte seiner für die Liedertafel in Winsen komponierten Stücke für Männerchor zurück forderte, und diese vernichtete. Dass darunter auch Postillons Morgenlied mit dem Textanfang „Vivat und ins Horn ich stoße“ (Text von Müller) war, ist glaubwürdig bezeugt.

Die Erstveröffentlichung der beiden Werke erfolgt im Verlag Breitkopf & Härtel, Wiesbaden (Chor-Bibliothek 5321, hrsg. von Helmut Lauterwasser). Der Chor des Bayerischen Rundfunks brachte im Rahmen seiner Jahrespressekonferenz am 5. März 2010 die beiden Chorlieder, ca. 157 Jahre nach ihrer Entstehung, erstmals wieder zu Gehör. Für die Brahms-Forschung und die gesamte Musikwelt ist dies auch insofern ein bedeutsames Ereignis, als damit zugleich die früheste erhaltene Brahms-Komposition schlechthin zur Aufführung kam.

Das Anhören der Chöre ist unter folgendem Link möglich:

http://www.br-online.de/br-klassik/leporello/klassik-news-johannes-brahms-aelteste-komposition-ID1267631685660.xml

www.br-online.de/br-klassik/leporello/klassik-news-johannes-brahms-aelteste-komposition-ID1267631685660.xml

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